{"id":5088,"date":"2026-01-19T19:33:29","date_gmt":"2026-01-19T18:33:29","guid":{"rendered":"https:\/\/andreastriebel.de\/?p=5088"},"modified":"2026-01-19T19:33:31","modified_gmt":"2026-01-19T18:33:31","slug":"prof-soennichsen-versucht-es-im-guten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/andreastriebel.de\/?p=5088","title":{"rendered":"Prof. S\u00f6nnichsen versucht es im Guten","gt_translate_keys":[{"key":"rendered","format":"text"}]},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Offener Brief an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken<\/h3>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Salzburg, 19.01.2026<br><br>Sehr geehrte Frau Bundesministerin Warken,<br><br>sehr herzlich danke ich Ihnen f\u00fcr Ihre k\u00fcrzlich get\u00e4tigten klaren Aussagen zu Therapiefreiheit und Patientenautonomie. Sie schreiben auf der Homepage des BMG w\u00f6rtlich: \u201eIn Deutschland gilt grunds\u00e4tzlich die verfassungsrechtlich gesch\u00fctzte \u00e4rztliche Therapiefreiheit. \u00c4rztinnen und \u00c4rzte entscheiden selbstst\u00e4ndig und eigenverantwortlich \u00fcber die Behandlung von Patientinnen und Patienten. Der Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung basiert auf nachgewiesener wissenschaftlicher Evidenz und wird nicht von der Politik festgelegt. Ebenso sind Patientinnen und Patienten frei in ihrer Entscheidung, welche Therapie sie in Anspruch nehmen.\u201c(1)<br>Es freut mich als ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Netzwerks f\u00fcr Evidenzbasierte Medizin und Hochschullehrer f\u00fcr Allgemein- und Familienmedizin (ehemals Paracelsus Universit\u00e4t Salzburg, Universit\u00e4t Witten\/Herdecke, Medizinische Universit\u00e4t Wien), dass Sie in Deutschland mit Nachdruck eine R\u00fcckkehr zu den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin (EbM) nach ihrem Gr\u00fcndervater David Sackett anstreben.<br>David Sackett definiert EbM als auf drei gleichwertigen S\u00e4ulen ruhend. Neben der Studienevidenz sind die klinische Expertise des Behandlers und die Patientenautonomie unabdingbare Voraussetzungen f\u00fcr eine informierte, partizipative Entscheidung \u00fcber die Durchf\u00fchrung einer medizinischen Ma\u00dfnahme. Sackett schreibt w\u00f6rtlich:<br>\u201e[EbM] requires a bottom up approach that integrates the best external evidence with individual clinical expertise and patients\u2018 choice\u201c (2)<br>Leider hat sich Deutschland in der Corona-Zeit weit von diesen Prinzipien entfernt. Die Corona-Ma\u00dfnahmen wurden ohne wissenschaftliche Evidenz durch Ihre Vorg\u00e4nger politisch verordnet, teilweise entgegen den wissenschaftlichen Empfehlungen des Krisenstabs am RKI, wie wir aus den RKI-Protokollen heute wissen.<br>Leider hat der Gesundheitsminister der USA, Robert F. Kennedy, auch recht, wenn er die straf- und disziplinarrechtliche Verfolgung von \u00c4rzten anprangert, die in Deutschland gang und g\u00e4be war und noch immer besteht, wenn \u00c4rzte sich f\u00fcr Therapiefreiheit und Patientenautonomie einsetzen. Ich verweise hier nur beispielhaft auf Dr. Ronald Weikl, Dr. Bianca Witzschel, Dr. Heinrich Habig, Dr. Michael Foti.<br>Und leider hat die Einschr\u00e4nkung von \u00e4rztlicher Therapiefreiheit und Patientenautonomie auch nicht mit Ende der sogenannten Corona-Pandemie geendet. Sie wird fortgesetzt in einer zunehmend sch\u00e4rfer durchgesetzten Masernimpfpflicht, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.<br>Zur allgemeinen Diskussion von Impfpflicht haben wir uns als Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin bereits 2019 kritisch ge\u00e4u\u00dfert. Unser Appell an die Bundesregierung und den damaligen Bundesgesundheitsminister, Therapiefreiheit und Patientenautonomie nicht durch eine Impfpflicht zu beschr\u00e4nken, blieb leider ungeh\u00f6rt. Das Masernschutzgesetz wurde 2019 ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne Not durchgesetzt.<br>Erlauben Sie mir, die epidemiologische Situation der Masern kurz darzustellen. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre gibt es in Deutschland ca. 500 Masernf\u00e4lle pro Jahr. Zwischen 2015 und 2019 kam es zu einem R\u00fcckgang der F\u00e4lle \u2013 entgegen den damaligen Behauptungen von Herrn Spahn. Es bestand also seitens der Entwicklung der Fallzahlen keine Notwendigkeit f\u00fcr die Einf\u00fchrung der Impfpflicht. Auch Todesf\u00e4lle oder schwere Komplikationen waren nicht zu beklagen. In den \u201eCorona-Jahren\u201c waren die Masern so gut wie verschwunden (2020 76 F\u00e4lle, 2021 8 F\u00e4lle, 2022 15 F\u00e4lle). In den Jahren 2023-2024 kam es zu einem leichten Wiederanstieg auf das Niveau vor Corona (2023 79 F\u00e4lle, 2024 645 F\u00e4lle), 2025 gingen die Zahlen bereits wieder zur\u00fcck (233 F\u00e4lle) (3).<br>Eine epidemische Notlage durch Masern, die eine Grundrechtseinschr\u00e4nkung (hier das Recht auf k\u00f6rperliche Unversehrtheit nach Art. 2, Abs. 2 Grundgesetz) (4) rechtfertigen w\u00fcrde, besteht in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr, wenn sie denn \u00fcberhaupt je bestand. Masernkomplikationen und Todesf\u00e4lle waren ohnehin bereits vor Einf\u00fchrung der Masernimpfung Anfang der 70er Jahre auf nahe Null zur\u00fcckgegangen, so dass die Impfung insgesamt fragw\u00fcrdig erscheint. Hier\u00fcber l\u00e4sst sich streiten. Es ist in Ermangelung belastbarer Studiendaten unbekannt, wie sich ein Impfstopp heute auswirken w\u00fcrde. Die derzeit als Beleg f\u00fcr einen Bev\u00f6lkerungsnutzen der Impfung herangezogenen Todesfall- und Komplikationsraten stammen entweder aus Entwicklungsl\u00e4ndern, die hinsichtlich Hygiene, Ern\u00e4hrung und medizinischer Versorgung mit Deutschland nicht vergleichbar sind oder aus deutschen Zahlen vor Einf\u00fchrung der Impfung, also aus einer Zeit, die ebenfalls vor allem hinsichtlich der medizinischen Versorgung nicht mit der heutigen vergleichbar ist.<br>Auf jeden Fall kann beim Fehlen belastbarer Evidenz f\u00fcr einen Nutzen der Impfung keine Impfpflicht erlassen werden, und das schon gar nicht, wenn es, was auch RKI, STIKO und PEI offen einr\u00e4umen, durch die Masernimpfung (heute nur noch als MMR-Dreifachimpfung oder MMRV-Vierfachimpfung verf\u00fcgbar) zu schweren Nebenwirkungen und Impfsch\u00e4den kommen kann.<br>Auch der vermeintliche Schutz der sogenannten \u201evulnerablen Kinder\u201c mag hier nicht als Grund f\u00fcr eine Impfpflicht zu \u00fcberzeugen. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 170 Kinder an Infektionskrankheiten, jedoch kein einziges Kind stirbt an Masern. \u201eVulnerable Kinder\u201c sterben an Influenza, Pneumokokken, Staphylokokken, Streptokokken und anderen h\u00e4ufigen Infektionskrankheiten, aber nicht an Masern.<br>Betrachtet man die Nutzen-Schaden-Relation der Masernimpfung, so steht dem fehlenden individuellen Nutzen und dem fehlenden Nutzennachweis auf Bev\u00f6lkerungsebene ein erhebliches Schadenspotential gegen\u00fcber. Der individuelle Nutzen (nicht der Bev\u00f6lkerungsnutzen!) der Impfung bemisst sich am individuellen Erkrankungs- und Komplikationsrisiko durch die Erkrankung. Bei durchschnittlich 500 Masernf\u00e4llen pro Jahr und 83 Millionen Einwohnern in Deutschland liegt das Erkrankungsrisiko bei etwa 0,0006% pro Jahr, das Lebenszeitrisiko somit bei einer angenommenen Lebenserwartung von 80 Jahren bei 0,048%. Dazu kommt, dass laut Bericht der ECDC etwa 20% der Masernf\u00e4lle auf Geimpfte entfallen (5). Das Komplikations- oder Todesfallrisiko ist mindestens um den Faktor 1000 geringer, liegt also unter 0,000048%. Selbst wenn man die Zahlen nur auf den f\u00fcr Masern empf\u00e4nglichen Teil der Bev\u00f6lkerung, ca. 8-10 Millionen Menschen in Deutschland (Ungeimpfte und etwa 20% der Geimpften), bezieht, kommt man nur auf ein Lebenszeitrisiko f\u00fcr Komplikationen und Tod von etwa 0,0005%.<br>Laut Auswertungen des Paul Ehrlich Instituts aus dem Jahre 2012 (neuere Daten sind nicht verf\u00fcgbar!) kommt es jedes Jahr zu durchschnittlich etwa 110 schweren Impfschadensmeldungen, bei denen das PEI selbst etwa bei der H\u00e4lfte einen Kausalzusammenhang zwischen Impfung und Schaden f\u00fcr m\u00f6glich oder wahrscheinlich h\u00e4lt (6). Zudem gesteht das PEI zu, dass von einem Underreporting von etwa 1:10 bis 1:20 auszugehen ist und wir daher mit etwa 1000-2000 schweren Nebenwirkungen rechnen m\u00fcssen (7). Selbst unter der vorsichtigen Annahme, dass nur 600 schwere Nebenwirkungen pro Jahr kausal mit der Impfung in Zusammenhang stehen, l\u00e4ge das Risiko f\u00fcr eine schwere Impfkomplikation bei gesch\u00e4tzt etwa 1,2 Mio durchgef\u00fchrten MMR- oder MMRV-Impfungen pro Jahr bei etwa 0,05%, bei den im Masernschutzgesetz vorgeschriebenen zwei Impfungen somit bei 0,1% und w\u00e4re daher 200 Mal so hoch wie das Lebenszeitrisiko, an einer Masernkomplikationen zu erkranken oder zu versterben.<br>Somit besteht f\u00fcr die Masernimpfung derzeit eine durch epidemiologische Daten gesicherte relative Kontraindikation gegen die Impfung. In Anbetracht dieses krassen Missverh\u00e4ltnisses zwischen m\u00f6glichem individuellem Nutzen und Schaden halte ich es f\u00fcr ethisch nicht vertretbar, Kinder ohne entsprechende Aufkl\u00e4rung und Warnung der Eltern mit einem der in Deutschland verf\u00fcgbaren MMR- oder MMRV-Impfstoffe zu impfen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: ich bin entgegen den allgemeinen Diffamierungen gegen meine Person kein prinzipieller Impfgegner, aber ein unbeirrbarer Verfechter von evidenzbasierter Medizin, Therapiefreiheit und Patientenautonomie.<br>Jedem, der glaubt, durch die Masernimpfung zur Masernfreiheit in Deutschland oder gar zum Ausrotten der Masern in der Welt beitragen zu m\u00fcssen, sei es freigestellt, seine Kinder gegen Masern impfen zu lassen, aber eine Impfpflicht verbietet sich in Anbetracht der derzeitigen epidemiologischen Situation.<br>Aus diesem Grunde stelle ich f\u00fcr gesunde deutsche Kinder wegen des Vorliegens einer relativen Kontraindikation Impfbefreiungsatteste aus. Wie Sie sicher wissen, unterscheidet das Infektionsschutzgesetz im \u00a720, Abs. 9 nicht zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen, sondern spricht nur allgemein von Kontraindikation. Die Menschen kommen aus ganz Deutschland zu mir nach \u00d6sterreich, um Impfbefreiungen f\u00fcr ihre Kinder zu bekommen, weil deutsche \u00c4rzte keine gerechtfertigten und medizinisch-wissenschaftlich begr\u00fcndeten Impfbefreiungen mehr gew\u00e4hren, da viele \u00c4rzte wegen des vermeintlichen Ausstellens falscher Gesundheitszeugnisse in der j\u00fcngsten Vergangenheit eingesch\u00fcchtert, verfolgt, mit Hausdurchsuchungen schikaniert, verurteilt und vollkommen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig bestraft wurden.<br>Ich freue mich sehr, dass Sie nun kundgetan haben, dass Sie evidenzbasierte Medizin, Therapiefreiheit und Patientenautonomie in Deutschland endlich wieder herstellen m\u00f6chten. Bitte informieren Sie mich \u00fcber ihre Pl\u00e4ne<br>\u2022 zur \u00c4nderung von Infektionsschutzgesetz und Masernschutzgesetz,<br>\u2022 zur Abschaffung der grundgesetzwidrigen Masern-Impfpflicht,<br>\u2022 zum Schutz von \u00c4rzten, die es wagen ihre Patienten durch vollkommen korrekte Gesundheitszeugnisse vor staatlicher Willk\u00fcr zu sch\u00fctzen und<br>\u2022 zur Rehabilitierung und Entsch\u00e4digung von zu Unrecht verurteilten \u00c4rzten.<br>Vielen Dank im Voraus f\u00fcr Ihre baldige Antwort! Gerne stehe ich f\u00fcr weitere Erl\u00e4uterungen und Diskussion zur Verf\u00fcgung.<br><br>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br>Dr. med. A. S\u00f6nnichsen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false,"gt_translate_keys":[{"key":"rendered","format":"html"}]},"excerpt":{"rendered":"<p>Offener Brief an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken Salzburg, 19.01.2026 Sehr geehrte Frau Bundesministerin Warken, sehr herzlich danke ich Ihnen f\u00fcr Ihre k\u00fcrzlich get\u00e4tigten klaren Aussagen zu Therapiefreiheit und Patientenautonomie. 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